Das Goetheanum
Rubrik · Weltlage

Rubrik

Weltlage

9 Beiträge

Zuerst bin ich Mensch

Zuerst bin ich Mensch

Im Gespräch mit Udi Levy erzählen der Israeli Rami Elhanan und der Palästinenser Bassam Aramin von ihrer ungewöhnlichen Freundschaft. Kennengelernt haben sie sich als Mitglieder der Organisation Parents Circle Families’ Forum, die Menschen zusammenbringt, die im Konflikt zwischen Palästina und Israel Angehörige verloren haben. So auch Elhanan und Aramin: Beide verloren ein Kind. Aramins Tochter wurde im Alter von zehn Jahren von einem israelischen Grenzpolizisten getötet. Elhanans 14-jährige Tochter starb bei einem palästinensischen Selbstmordattentat. Und doch brachen beide Männer mit der lang anhaltenden Tradition von blinder Wut und wurden Freunde. Sie wählten einen anderen Weg. Im Gespräch erzählen sie ihre Geschichte, von ihrer Arbeit als Co-Leiter des Parents Circle Families’ Forum, über ihren Umgang mit Konflikt und Trauer sowie darüber, wie Frieden möglich sein kann.

Redaktion · 03. Juni 2026 · 1 Min.

Kindergärten im Flüchtlingslager?

Kindergärten im Flüchtlingslager?

Für die Gesprächsreihe ‹Stimmen zur Zeit› spricht Gerald Häfner mit Wiebke Eden-Fleig über ihre Arbeit im Libanon im Kontext der andauernden Konfliktsituation zwischen Hisbollah und Israel. Der Krieg im Libanon steht dabei im globalen Bewusstsein eher im Schatten des Konflikts zwischen den USA, Israel und dem Iran; nichtsdestotrotz ist die Lage für die libanesische Zivilbevölkerung extrem prekär. Wiebke Eden-Fleig ist studierte Politologin und Nahostwissenschaftlerin sowie die Geschäftsführerin von Just Childhood, einer Organisation, die palästinensische und syrische Kinder aus geflüchteten Familien und Kinder aus sozial gefährdeten Familien im Libanon bei ihrem Bildungsweg unterstützt. Sie erzählt von ihrer Reise in das riesige palästinensische Flüchtlingslager Shatila und wie sie dort trotz zahlreicher Widrigkeiten einen Waldorfkindergarten mit aufbauen konnte. Das Gespräch gibt zudem Einblicke in die gesellschaftliche Situation im Libanon und zeigt Wege des Engagements auf.

Redaktion · 28. Mai 2026 · 1 Min.

Bildet sich die Gemeinschaft im Spiegel der Menschen­seele?

Bildet sich die Gemeinschaft im Spiegel der Menschen­seele?

9. März, abends. Zögernd greife ich in die Tastatur, um ein Stimmungsbild des Nahen Ostens zu vermitteln. Als in der Schweiz lebender ehemaliger Israeli wendet sich mein Blick naturgemäß zunächst zu meiner Tochter, meinem Bruder, deren Familien, meinem Freundeskreis in Israel. Dann lenke ich ihn zu all jenen, welche ebenfalls betroffen sind – ein Blick in einen Abgrund. Je weiter das Blickfeld wird, desto glatter scheinen die Ränder, an denen man steht, desto tiefer und dunkler diese Abgründe. Eine WhatsApp-Gruppe ruft für Dienstag, 10. März, 17 Uhr, alle Israelis auf, sich auf die Straßen, auf ihre Balkone zu begeben und mit Lichtern, Flaggen, Singen und Händeklatschen den Piloten der Luftwaffe dafür zu danken, was sie heroisch für ‹uns› tun, um die iranische Bedrohung und die libanesische Hisbollah zu eliminieren. Kein Wort von den Tausenden, die dabei ihr Leben verlieren. Die Journalistin Yoana Gonen schreibt am 9. März in der Tageszeitung ‹Haaretz› unter dem Titel: ‹Zurück zur Routine, unter Feuer›: «Der emotionale Faschismus begnügt sich nicht damit, den Widerstand gegen den Krieg zum Schweigen zu bringen. Er fordert, dass ihr ihn genießt und mehr davon verlangt, dass ihr euch in ihn verliebt, dass ihr euch bedankt. In so einer Realität ist auch das Klagen eine Art von Aufstand: Das Verweigern, sich an das Unerträgliche zu gewöhnen.»

Udi Levy · 17. März 2026 · 4 Min.