Autor·in

Chefredakteur der Wochenschrift «Das Goetheanum», studierte Waldorfpädagogik und Mathematik. Er publiziert zu Lebensfragen, ist Autor des Sternkalenders, führt Studienreisen und ist Dramaturg an der Goetheanum-Bühne. Er hat drei erwachsene Töchter.
Literatur · DE
Noch stehen Venus und Jupiter mehr als zwanzig Grad auseinander. Doch täglich verringert Venus in ihrem schnellen Lauf die Distanz um fast ein Grad. Am 9. Juni ist es dann so weit: Dann stehen die beiden hellsten Planeten in Konjunktion zueinander. Weil die Bahnebenen der einzelnen Wandler gering zueinander geneigt sind, bleibt ein kleiner Abstand erhalten. Bei dieser Konjunktion sind es zwei Grad. Das entspricht dem Abstand von vier Monddurchmessern. Doch schon die Wochen vor der eigentlichen Konjunktion sind eine Gelegenheit, im kosmischen Schauspiel die Beziehung der Tugenden Liebe und Weisheit im Bild dieser Himmelslichter zu betrachten und zu verstehen. Jupiter gilt in der antiken Vorstellung als Repräsentant für Weisheit. Das spiegelt sich eindrucksvoll in seiner physikalischen Erscheinung. Er ist zwölfmal so groß wie die Erde und läuft in knapp zwölf Jahren durch den Tierkreis. Außerdem sind es zwölf Wolkenbänder, die auf seiner Oberfläche gegeneinander scheren. Die Zahl Zwölf repräsentiert das Ganze, und diese Vollständigkeit vermag nur die Erkenntnis zu fassen. So überrascht es nicht, wenn der Planet der Weisheit die Zahl Zwölf in sich trägt. Und Venus? Der Planet von Schönheit und Liebe ist der einzige der Wandelsterne, der auf einer runden und nicht elliptischen Bahn um die Sonne zieht. Auch ist Venus als Himmelskörper perfekt rund und nicht abgeflacht wie die anderen Planeten. So wie sich in diesen Phänomenen die Schönheit von Venus spiegelt, so ist ihr extrem hoher Druck an der Oberfläche ein Bild für die Liebe. Bei einem 93 mal höheren Druck als auf der Erde ist die Luft der Venus nicht mehr gasförmig oder flüssig, sondern beides zugleich – fluide. Venus hebt, wie es zur Tugend der Liebe gehört, die Gegensätze auf. Jetzt werden die beiden Planeten bald für kurze Zeit zu einem Zwillingsgestirn und inspirieren so dazu, in der eigenen Seele die Konjunktion von Liebe und Erkenntnis herzustellen. Alles und jeden mit der Wärme des Herzens und der Klarheit des Hauptes begreifen zu lernen.
28. Mai 2026 · 1 Min.

Kolumne · DE
Zwei Momente sind es, da wird es in einer Gemeinschaft wie von Zauberhand dicht und innig. Es sind Augenblicke, in denen sich über die Gruppe der Himmel senkt, und es geschieht dann, wenn es sprichwörtlich um Leben und Tod geht, wenn aus dem Leben eines Menschen oder über das Leben eines Menschen gesprochen wird. Im ersten Fall ergreift man selbst das Wort und schildert den Gang, die Stationen des eigenen Weges. Es gibt wohl keinen solchen Lebensbericht, wo die Zuhörenden nicht still werden und staunen über die rätselhaften Fügungen und Besonderheiten, die das Leben zur Biografie, zur Lebensschrift erhöhen. Im zweiten Fall sind es die Zeugen und Zeuginnen eines abgeschlossenen Lebens, die die Lebensspur des Verstorbenen erzählen. Auch hier braucht es nur wenige Sätze und schon glimmen – auch wenn Tragisches in der Erzählung seine Schatten wirft – Weisheit und Tiefe der Lebensspur auf. Wie ein Gottesdienst der Neuzeit ist, wenn es so um Leben und Tod geht, der Geist unter uns – ein Pfingstereignis. Wir sollten häufiger und leidenschaftlicher über unsere Leben sprechen und so den großen Schatz – das gelebte Leben –, den jeder und jede mit sich führt, teilen. Denn auch hier gilt, wie für alles Immaterielle: Was man teilt, wächst.
28. Mai 2026 · 1 Min.

Gesellschaft · DE
Die zweite Amtszeit von Justus Wittich als Vorstand und Schatzmeister der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft am Goetheanum endete im April 2026 – nach 14 Jahren Tätigkeit und mit dem Erreichen seines 70. Lebensjahres.
07. Mai 2026 · 2 Min.

Literatur · DE
Zum Festakt des Abschlusses der Gesamtausgabe Rudolf Steiners waren die 453 Bände auf der Goetheanum-Bühne ausgebreitet. In Grußworten und Erinnerungen ging es um großen Dank und leise Mahnung.
29. April 2026 · 4 Min.

Geschichte · DE
Basilika des antiken Namensgeber der Eurythmie entdeckt. Die Folge: Vitruv war nicht nur Kunsttheoretiker, sondern er schuf auch Werke.
21. April 2026 · 2 Min.

Literatur · DE
Angelika Schmitt und Philip Kovce leiten seit 2025 das Rudolf Steiner Archiv. Ein Blick zurück und voraus mit Wolfgang Held.
14. April 2026 · 13 Min.

Kolumne · DE
Es liegt am Fuß des Goetheanum und birgt seine Schätze unter der Erde – das Rudolf Steiner Archiv. Auch die verspielte Bauform von Haus Duldeck verhüllt den Rang dieses Schatzhauses der Anthroposophie. Es müsste eine Kathedrale sein, wie Chartres, von Weitem im Dunst am Horizont sichtbar, um den Reisenden, den Pilgern Orientierung zu geben, ein Louvre, ein Fort Knox des Geistes, zu dem man aufsteigt – wie zum Apollontempel in Delphi, um mit Ehrfurcht in den Gliedern seine persönliche Frage zu finden. Doch es ist ein Gartenhaus im Goetheanum-Park. Als wäre dort ein Café und nicht das, was aus seinen Quellen Millionen Menschen erreicht hat: ein Stein der Weisen, Chiffren für ein Jahrtausend.
14. April 2026 · 1 Min.

Veranstaltung · DE
Die Medizinische Sektion veranstaltet am 2. Juni, 19 Uhr, eine weitere Dialogvorstellung, diesmal zum Thema ‹Eingriff in das menschliche Genom›. Als Gast ist der Arzt Oswald Hasselmann eingeladen.
13. Mai 2026 · 1 Min.

Essay · DE
Die Erlösung ungefühlter Gefühle aus der Kindheit lässt den inneren Menschen in der Seele auferstehen. Zu dieser Nachreifung ruft das Ich in jeder einzelnen Biografie – und zugleich das Ich der Menschheit. Werde erwachsen – werden wir erwachsen.
07. Mai 2026 · 10 Min.

Kolumne · DE
Wenn Außerirdische die Erde besuchen würden, empfiehlt Peter Sloterdijk Europa als Landeplatz,1 denn hier würden die Aliens die friedlichste Seite der Erde finden. In seinem jüngst erschienenen Buch zu Europa ‹Der Kontinent ohne Eigenschaften› erklärt er seinen Ratschlag: Während die USA seit 100 Jahren imperiale Denkformen verfolgen und «der russische Dämon nach einer Scheintodphase wieder erwacht sei», habe Europa den gesamten Lehrgang des Imperialismus durchlaufen und sei nun in einem «tragischen Bewusstsein» aus der Weltgeschichte ausgetreten. Anders als China, das wirtschaftlich seine imperialen Karten ausspielt, und auch anders als der Nahe Osten, wo die Mächte nach Expansion schielen, sei Europa vom Habenwollen kuriert.
29. April 2026 · 1 Min.

Literatur · DE
Martina Maria Sam und Stefan Hasler haben alle Bände zur Eurythmie neu kommentiert und erweitert herausgegeben und so dazu beigetragen, dass es frische Luft und festen Boden für das zweite Jahrhundert der Eurythmie gibt. Ein Gespräch von Wolfgang Held mit den beiden und der Eurythmistin Ulrike Wendt.
14. April 2026 · 1 Min.

Reflexion · DE
Zur Einladung der Generalversammlung der Anthroposophischen Gesellschaft gab Justus Wittich zum letzten Mal im Amt als Schatzmeister seinen Jahresbericht.
14. April 2026 · 2 Min.

Weltlage · DE
Stehen wir derzeit in einem Zivilisationsbruch? Und wie stärken wir Diplomatie wieder als erste Option? Gerald Häfner entwickelt Perspektiven in kriegerischer Zeit. Die Fragen stellte Wolfgang Held.
26. März 2026 · 7 Min.

Ausstellung · DE
Kleine Menschen, großes Wirken – Kleinkindzeichnungen aus aller Welt und ihre gemeinsame Sprache.
26. März 2026 · 1 Min.

Kolumne · DE
Güte, Kraft und Liebe – die drei Säulen der Erziehung als Tagungsthema. Zwei Kinder sitzen auf dem Boden, eines bekommt ein Brot zu fassen. Da beginnt ein Streit, weil das andere Kind leer ausging. Die europäische Mutter beugt sich hinunter, teilt das Gebäck in zwei Teile und gibt jedem Kind eines. Die Welt scheint wieder in Ordnung zu sein. Wirklich? Die gleiche Szene in Zentralafrika, wie es der Verhaltensforscher Irenäus Eibl-Eibesfeld beschreibt.1 Wieder hat eines der beiden Kinder das Brot in der Hand und wieder nimmt es die Mutter und teilt es in zwei Stücke. Doch jetzt gibt sie beide Teile dem Kind, das zuvor den ganzen Brotschatz besaß, zurück. Was passiert? Die Kleine schaut sich die zwei Teile in ihren beiden Händen an, ihr Blick wechselt vom linken zum rechten, dann zum brotlosen Geschwisterkind. Da reicht sie ein Teil hinüber. Was für ein Bild! Die Kraft schenkt der Mutter die Stärke, einzuschreiten und das Brot an sich zu nehmen, die Güte, es gleichmäßig in zwei Teile zu trennen, und die Liebe, es dem ursprünglichen Kind zurückzugeben. So kann das Kind sein Mitgefühl entdecken und wird nicht genötigt. Was die afrikanische Mutter macht, erwartet Liebe und schenkt sie zugleich. So ist es auch mit der Güte und Kraft: Wo wir sie geben, laden wir dazu ein, dass sie sich entfalten. So wie das Kind Kraft, Liebe und Güte empfängt und zu geben vermag, ist es auch bei uns Großen: Wir lieben, sind gütig und stark, wenn wir Liebe, Güte und Kraft empfangen können – wo geht das besser als bei den Kindern selbst, denn wer ist so lieb, gut und stark wie sie?
26. März 2026 · 1 Min.

Sozial · DE
Jan Göschel, Co-Leitender der Sektion für Heilpädagogik und inklusive soziale Entwicklung, sprach kürzlich vor den Mitarbeitenden des Goetheanum über Forschung auf seinem Arbeitsfeld.
17. März 2026 · 2 Min.

Faust · DE
Neu auf die Bühne kam Goethes ‹Faust› im Herbst 2025 in der Inszenierung von Andrea Pfaehler und Rafael Tavares (Eurythmie-Regie).
09. März 2026 · 2 Min.

Sozial · DE
Es gibt Begriffe, die mit einem Schlag ein Licht werfen, den Blick in die Tiefe der Zeit freigeben. Das Wort ‹Verlust› ist solch ein Schlüsselbegriff. Der Soziologe Andreas Reckwitz hat ihn mit seinem Buch ‹Verlust – Ein Grundproblem der Moderne› ins Gespräch gebracht.
04. März 2026 · 4 Min.

Bildende Künste · DE
Himmelfahrtstagung der Sektion für Bildende Künste in Bukarest vom 14. bis 17. Mai 2026.
04. März 2026 · 2 Min.

Ankündigung · DE
Das Forschungsinstitut der Naturwissenschaftlichen Sektion veranstaltet wöchentlich wissenschaftliche öffentliche Kolloquien.
24. Februar 2026 · 1 Min.

Ausbildung · DE
Christiane Haid leitet mit Barbara Schnetzler das Kunststudienjahr am Goetheanum. Wolfgang Held fragt sie, wie man schöpferisch wird.
19. Februar 2026 · 2 Min.

Religion · DE
Stuttgart, Deutschland. An der Priestersynode der Christengemeinschaft wechselte das Leitungsamt des Erzoberlenkers in die Hand von Christward Kröner.
17. Juni 2026 · 1 Min.

Musik · DE
Die Leier, Lyra oder Kithara ist eines der ältesten bekannten Saiteninstrumente. Ihre Geschichte reicht 5000 Jahre nach Mesopotamien zurück. 1926 entwickelte der Instrumentenbauer Lothar Gärtner in Kooperation mit dem Musiker Edmund Pracht eine neue Form des Instruments, sodass es jetzt seinen 100. Geburtstag feiert. Wolfgang Held im Gespräch mit den drei musikalisch und therapeutisch Tätigen Viola Heckel, Susann Temperli und Christian Giersch.
10. Juni 2026 · 4 Min.

Kolumne · DE
Dietrich Bonhoeffer, Theologe und Widerstandskämpfer im Nationalsozialismus, hat sich viel mit menschlicher Gemeinschaft beschäftigt. In seinem Buch ‹Gemeinsames Leben› rät er dazu, dreierlei in einer Gemeinschaft zu leben: 1. Man sollte die menschliche Gemeinschaft nicht idealisieren, sondern annehmen, dass ihre Mitglieder unvollkommen sind und dass es die göttliche Gnade ist, die Gemeinschaft segnet. Man solle die anderen annehmen, wie Gott sie annimmt. Durch diesen milden Blick, den wir einander geben, sei das Göttliche anwesend. 2. «Der erste Dienst, den einer dem andern in der Gemeinschaft schuldet, besteht darin, dass er ihn anhört.» So kommt in den Blick das offene Ohr für die anderen. 3. Bonhoeffers dritter Punkt betrifft das Herz: «Eine christliche Gemeinschaft lebt aus der Fürbitte der Glieder füreinander.» So sind es Auge, Ohr und Herz, die wir uns schenken und die ermöglichen, dass eine Gemeinschaft zu leben beginnt, dass sich der Himmel über sie spannt.
10. Juni 2026 · 1 Min.
