Das Goetheanum
Rubrik · Poesie

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Poesie

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Dornige Pfade

Dornige Pfade

Was gibt es doch für viele dornige Pfade, die ich gehen muss! Und ich muss überall durch, und nur ich allein bin der Maßstab für mich selbst, ich muss alles selbst herausbekommen und selbst meine eigenen Formulierungen und meine eigenen kleinen Wahrheiten finden. Manchmal verwünsche ich die schöpferischen Kräfte in mir, die mich zu weiß Gott welchen Dingen antreiben, aber zuweilen erfüllt mich auch große Dankbarkeit, fast schon Ekstase. Und diese Höhepunkte der Dankbarkeit dafür, so voll Leben sein zu dürfen, und für die Möglichkeit, die Dinge allmählich begreifen zu können, wenn auch auf meine Weise, lassen mir jedes Mal wieder das Leben der Mühe wert erscheinen, sie werden immer wieder zu den Pfeilern, auf die sich mein Leben stützt.

Etty Hillesum · 17. März 2026 · 1 Min.

Himmlische Wurzeln

Himmlische Wurzeln

Betrachtet die Pflanze: Sie besitzt zwei Weisen des Seins. Die Blüte trägt ein vergängliches Ich, die Wurzel ein beharrendes Ich. Vielleicht sind wir ebenso beschaffen und bergen irgendwo in uns ein latentes Ich – Quell und Herd unserer aufeinanderfolgenden Existenzen, Wurzel unserer abwechselnden Entfaltungen, zentrale Seele, die wir nach jedem unserer Tode in den Tiefen des Unendlichen wiederfinden. Dort, sofern dieser Hypothese irgendein Grund innewohnt, ruht und erwartet uns das kollektive Bewusstsein aller unserer getrennten Leben und die wahre Einheit unseres Ich.

Victor Hugo · 24. Februar 2026 · 1 Min.

Weitergeben

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Als der und jener ist zwar jeder schon da. Aber keiner ist, was er meint, erst recht nicht, was er darstellt. Und zwar sind alle nicht zu wenig, sondern zu viel von Haus aus für das, was sie wurden. Später gewöhnen sie sich an die Haut, in der sie nicht nur stecken, sondern in die man sie auch noch gesteckt hat, beruflich oder wie sonst. Aber da fand einmal ein Bursche, weit von hier, einen Spiegel, kannte so etwas noch gar nicht. Er hob das Glas auf, sah es an und gab es seinem Freund: «Ich wusste nicht, dass das dir gehört.» Dem andern gehörte das Gesicht auch nicht, obwohl es ganz hübsch war.

Ernst Bloch · 19. Februar 2026 · 1 Min.