Das Goetheanum
Bildende Künste·Ausgabe 10/2026

Farbe und Form – Brücken zum Geist

Himmelfahrtstagung der Sektion für Bildende Künste in Bukarest vom 14. bis 17. Mai 2026.

Christiane HaidWolfgang Held

Christiane Haid · Wolfgang Held

04. März 2026 · 2 Min. Lesezeit

Farbe und Form – Brücken zum Geist

Farbe und Form sind Mittel, mit denen Kunstschaffende die geistige Wirklichkeit erlebbar machen. Doch mit Beginn der Neuzeit wurden Farbe und Form mehr und mehr an die sinnliche Welt gebunden und verloren diese Fähigkeit, zwischen Physis und Geist zu vermitteln. Goethes phänomenologische Betrachtung von Licht, Finsternis und Farbe sowie seine Entdeckung des Prinzips der Metamorphose eröffneten Ende des 18. Jahrhunderts einen neuen Zugang zu ihren übersinnlichen Dimensionen. Ab 1907 führte Rudolf Steiner, auf Goethe aufbauend, das Prinzip der Metamorphose und ein vertieftes Farbempfinden in die Künste ein. Im Einklang mit der damaligen künstlerischen Avantgarde befreite er die Farbe vom Gegenstand und verwendete sie als freies Farbenfluten in der Kuppelmalerei des Ersten Goetheanum. So gipfelt der neue Ansatz, die Kunst mit kosmischen Kräften in Beziehung zu bringen, im Bau des Ersten Goetheanum (1913–1922). Alle bildenden und musischen Künste sind hier zu einem Gesamtkunstwerk verschmolzen worden. Der Bau ermöglichte ein Erlebnis des Wesens des Menschen in Verbindung mit dem Makrokosmos. In Farbe und Form wurden unsere menschliche Entwicklung und die Entwicklung der Erde anschaubar. Die farbigen Fenster des Goetheanum, die Deckenmalerei, die Metamorphose der Kapitelle und der Architrave sowie die Statue des Menschheitsrepräsentanten sind Zugänge zu den Zusammenhängen von Mikrokosmos und Makrokosmos.

Die Studientagung erkundet diese ‹Brücke zum Geist› inhaltlich und künstlerisch. Vorkenntnisse oder künstlerische Fähigkeiten sind dazu nicht notwendig, so die Verantwortlichen der Sektion. Die Tagung findet in deutscher Sprache mit rumänischer und englischer Übersetzung statt. Die Sektion für Bildende Künste organisiert die Himmelfahrtstagung zusammen mit der Anthroposophischen Gesellschaft in Rumänien. Das Treffen ist das dritte und zur Tagung erweiterte Wochenende eines zwölfteiligen Kunstkurses, den die Sektionsverantwortlichen in Rumänien zum anthroposophischen Kunstimpuls durchführen. Ziel ist es, mit dem Wochenende Kunstinteressierte auch aus anderen Ländern anzusprechen, die sich gemeinsam mit dem Thema Farbe beschäftigen wollen. Farbe und Form sind die Gestaltungsmittel in Kunst und Architektur. «So in Farben und Formen denken zu lernen, wie wir in Gedanken und Begriffen denken», das formuliert Rudolf Steiner als ein Ideal einer Kunst der Zukunft. In diesem Sinne soll das Himmelfahrtswochenende der Ausbildung eines vertieften Farbempfindens und dem Gestaltungsprinzip der Metamorphose dienen.


Bild Veranstaltungsflyer

Christiane Haid

Christiane Haid

Christiane Haid ist seit 2012 Leiterin der Sektion für Schöne Wissenschaften und seit 2020 Leiterin der Sektion für Bildende Künste. Zudem leitet sie seit 2024 das Kunststudienjahr am Goetheanum.

Wolfgang Held

Wolfgang Held

Chefredakteur der Wochenschrift «Das Goetheanum», studierte Waldorfpädagogik und Mathematik. Er publiziert zu Lebensfragen, ist Autor des Sternkalenders, führt Studienreisen und ist Dramaturg an der Goetheanum-Bühne. Er hat drei erwachsene Töchter.

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