
19 Beiträge · Ausgabe 19/2026
Editorial

Poesie
Götzendienst entsteht, wenn man, obwohl man nach dem absoluten Guten dürstet, nicht über die übernatürliche Aufmerksamkeit verfügt und nicht die Geduld hat, sie wachsen zu lassen.
Simone Weil · 07. Mai

Faust
Wo die Natur sich als Wind oder Flut bewegt, da dachten die Griechen der Antike Naturwesen, die Nymphen. Die Nereiden, hundert Töchter des Nereus, wie Platon erzählt, sind solche auf Delfinen reitenden Elementarwesen im Mittelmeer. Kalypso, die sich in Odysseus verliebt, ist eine der bekanntesten und Galatea, die ‹Milchweiße›, die schönste unter ihnen. Bei Homer ist sie mit dem einäugigen Riesen Polyphem verbunden – derselbe Mythos wie später das Märchen ‹Die Schöne und das Biest›: Schönheit macht das Hässliche schön. Bei Ovid ist sie eine Statue von solcher Schönheit, dass sich der Bildhauer in sein Werk verliebt und Aphrodite ihr darauf das Leben schenkt. Schönheit macht lebendig! Das nimmt Goethe für den ‹Faust›. Dort will der Kunstmensch Homunculus lebendig werden und stürzt sich dazu in diese Naturschönheit. Auch hier: «Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan.»
Redaktion · 07. Mai

Kolumne
Ein Kind, das der Eltern entbehrt, malt sich die Mutter mit Kreide auf den Boden und legt sich in das Bild und schläft ein. Ein Fotograf hält das berührende Bild fest. Offenbar trägt das Kind die Form der Mutter in sich. So tragen wir ein Kind in uns, das wir ebenso brauchen, wie umgekehrt das Kind auf Eltern angewiesen ist. Vor vierzig Jahren wurde in der Psychotherapie das Konzept des ‹inneren Kindes› entwickelt, das sich in der Traumatherapie als fruchtbar erwies. Die Psychotherapeutinnen Erika Chopich und Margaret Paul haben in ihrem Buch ‹Aussöhnung mit dem inneren Kind› 1990 die Notwendigkeit, dieses Kind mit dem liebevollen inneren Erwachsenen in Kontakt zu bringen, im Blick. Was ist das innere Kind? Es entsteht aus dem spontanen Fühlen des Menschen, das oft früh enttäuscht wird. Es erlebt ungehemmt die Skala der Gefühle wie Freude und Schmerz, Glück und Trauer. Es wird mit Fühlen, Erleben und Sein in Zusammenhang gebracht, während Erwachsene für Denken, Handeln und Machen stehen und von gehemmten Gefühlen beherrscht werden. Das innere Kind ist die Quelle der Genialität eines Menschen. Wird es enttäuscht, kapselt es sich ab.
Martin Kollewijn · 07. Mai

Essay
Durch Medien, die uns eine Sache vermitteln wollen, entfernt sich das unmittelbare Erleben ein Stück weiter vom Leib und wird zunehmend als berechenbares Verhältnis rekonstruiert. Dabei können Schnitte entstehen, durch die Bewusstsein aufleuchtet.
Hao Bu · 07. Mai

Geschichte
Wir spazieren durch eine Ausstellung über die Zeit des Kaisers Augustus. Vor uns eine faszinierende Büste von Cicero, dann andere markante Gestalten, Statthalter und reiche Römerinnen, außerdem Fragmente städtischer Architektur, alles groß dimensioniert und in seiner Wirkung gut kalkuliert.
Wolfgang Müller · 07. Mai

Rückblick
Über die Qualität des Sinnlichen als Miterleben der Auferstehungskräfte in der Natur.
Renatus Derbidge · 07. Mai

Essay
Ist der Satz «Ich kann nicht» Wirklichkeit oder eine Vorstellung, die lähmt? Wer den Widerstand als etwas Eigenes erkennt, findet Schritt für Schritt ins Können, getragen von Sinn und von der Kraft der Freude.
Georg Gölzer · 07. Mai

Literatur
Steffen Hartmann hat ‹Der Ruf des Montecorvo› neu herausgegeben. Das Drama von Paolo Gentilli klingt mit Rudolf Steiners 100. Todestag zusammen.
Salvatore Lavecchia · 07. Mai

Kunst
Zum Buch von Caroline Chanter und Georg Müller: ‹Der Menschheitsrepräsentant. Die Holzplastik Rudolf Steiners zeichnend erleben›.
Thorsten Steen · 07. Mai

Ankündigung
Zum Meditationskolloquium der Naturwissenschaftlichen Sektion am Goetheanum vom 29. bis 31. Mai 2026.
Wilburg Keller Roth · 07. Mai
07. Mai · Kunst
Redaktion
07. Mai · Zeitfragen
Redaktion
07. Mai · Landwirtschaft
Redaktion
07. Mai · Jugend
Redaktion
07. Mai · Kunst
Paula Boslau
07. Mai · Gesellschaft
Sebastian Jüngel
07. Mai · Video
Redaktion