Das Kunststück ist gelungen
Ich erlebe die Auseinandersetzung mit Rudolf Steiner und der Anthroposophie in Europa oft polarisiert, schwarz oder weiß. Selten begegnen mir so unbefangene Blicke jenseits aller Kategorisierungen, wie ich sie bei dieser Konferenz erfuhr.
04. März 2026 · 1 Min. Lesezeit

In gelebter Vielfalt und Unbefangenheit begegneten sich die Forschenden.
80 Beiträge an zwei Tagen
So empfand ich eine erfrischende Farbigkeit im Blick auf Rudolf Steiner, die sich unter anderem den vielfältigen kulturellen und individuellen Kontexten verdankte, aus denen heraus gesprochen wurde. Rudolf Steiners menschheitliche Bedeutung wurde mir dadurch in neuer Weise bewusst.
Gerne hätte ich alle Vorträge wahrgenommen, das war jedoch wegen der Parallelführung der Panels nicht möglich. Auch blieb in den Panels – wenn überhaupt – oft nur Zeit für zwei, drei Rückfragen. Ein Gespräch konnte so nicht zustande kommen, sodass die verschiedenen Referate zunächst unverbunden nebeneinander stehen blieben, was aber auch etwas für sich hatte. Man hätte wohl viel Zeit gebraucht, um verschiedene Standpunkte miteinander ins Gespräch zu bringen – das wurde mir besonders deutlich in dem Panel ‹Constructive Anthroposophical Responses to Racism›. Die Pausen zwischen den Panels waren leider sehr kurz, sodass man kaum in ein vertiefendes Gespräch eintreten konnte.
Nicht jeden Beitrag erlebte ich persönlich als gleich anregend oder gegründet. Immer wieder musste ich an einige Freunde denken, deren Bewerbung für die Konferenz nicht angenommen worden war und die wohl auch Wesentliches hätten bringen können. Im Ganzen aber war es schon ein Kunststück, 80 Beiträge in zwei Tagen unterzubringen, die wirklich einen Querschnitt durch die gegenwärtige Anthroposophie- und Steiner-Forschung boten! Und dieses Kunststück ist in meinen Augen gelungen. Noch mehr wäre wahrscheinlich weniger gewesen.
Man kann den Initiatoren dieser Konferenz – Dan McKanan, Aaron French und Henry Holland – nur von Herzen danken, dass sie die Idee zu dieser Veranstaltung hatten und die mannigfachen Mühen auf sich nahmen, sie zu realisieren.
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Bild Constanza Kaliks vom Goetheanum begrüßt die Teilnehmenden nach der Podiumsdiskussion zum Thema ‹Waldorfpädagogik im globalen und dekolonialen Kontext›. Foto: Garret Harkawik

Martina Maria Sam, geb. 1960, Studium der Soziologie und Politologie in Heidelberg, Waldorfpädagogik und Eurythmie in Witten-Annen, Germanistik und Kunstgeschichte in Basel. Seit 2019 Herausgeberin im Rudolf Steiner Archiv.




