Das Kunststück ist gelungen
Ich erlebe die Auseinandersetzung mit Rudolf Steiner und der Anthroposophie in Europa oft polarisiert, schwarz oder weiß. Selten begegnen mir so unbefangene Blicke jenseits aller Kategorisierungen, wie ich sie bei dieser Konferenz erfuhr. So zum Beispiel, wenn Ikechukwu Anthony Kanu, Professor für afrikanische Philosophie und religiöse Traditionen in Nigeria, über Rudolf Steiners Christologie sprach, wenn Zohar Maor von der jüdisch-religiösen Universität Bar-Ilan im israelischen Ramat über ‹Rudolf Steiner’s Anthroposophy as a Secularized Religiosity› referierte, wenn Aaron French und Henry Holland, die gerade an einem Buch über Rudolf Steiner schreiben, in ihren Beiträgen ‹Biography in the Mirrors of Biographers, or Writing the Life of Rudolf Steiner – Empirical Facts, Polemical Insinuations, and Imaginative Insights› ganz neue, originelle Blicke auf seinen Lebenslauf warfen. Oder wenn der indische Physiker Gopi Krishna Vijaya über ‹Organic Thinking as a Prerequisite for Discussions on Race with a Special Emphasis on India-Britain› referierte und dadurch die Rassismusdiskussion um neue Aspekte bereicherte.