Der mütterliche Leibraum
Als für Marcel Proust ein Kuss ausblieb, gebar die Sehnsucht ihm seine zukünftige Sprache. Gehüllt vom Prinzip der Mutter und der bedingungslosen Liebe gebären wir uns immer wieder neu.
13. Mai 2026 · 1 Min. Lesezeit

‹Auf der Suche nach der verlorenen Zeit› von Marcel Proust wird mit einem fehlenden Kuss eröffnet. Die Mutter bleibt auf einer Abendgesellschaft, lässt ihrem Sohn ausrichten, dass sie ihm heute nicht Gute Nacht sagen könne – und stürzt ihn damit in eine schwere Krise. Im Vermissen des mütterlichen Kusses öffnet sich ein innerer Raum: Im wach daliegenden Kind entsteht eine Welt, die zum unsichtbaren Gerüst des ganzen Werks wird. Der fehlende Kuss wird zur Urszene dichterischer Produktivität. Nicht die Erfüllung, sondern das Ausbleiben, die Sehnsucht und sogar der Entzug se

Luke Wilkins (*1979 in Bern) ist freier Schriftsteller, Musiker und Kurator von Diskursformaten.




